vielen dank, mr. beckham!

vielen dank, dass sie ihren, sagen wir ruhig, wie es ist, wohlgeformten körper meinen begehrlichen blicken aussetzen. und nicht nur meinen…

kleine revolutionen finden da statt vor den großflächig plakatierten werbeanzeigen von Hasi&Mausi. scheue blicke, neidische blicke, lüsternde blicke, heimliche blicke auf einen (halb)nackten männerkörper*.

david oben ohne

david beckham macht sich nackisch

huch, wartet mal, männerfleisch wird zur schau gestellt? oh behave! eine, wie ich meine, wohltuende abwechslung im dickicht der nackten frauenbrüste, der devoten posen und geöffneten münder.

ja, diese abwechslung verbleibt im heteronormativen regime der sexualisierten konsumindustrie, denn es wird ein produkt verkauft mit einem weißen, jungen, straffen, unversehrten und retuschierten körper. und ja, david schaut mir in die augen, selbstbewußt führt er vor, was er hat, er unterwirft sich mir nicht, so wie sich die brigaden der frauenkörper dem blickregime des (männlichen) betrachters zu unterwerfen haben und dennoch…

… kleine verschiebungen in der diskursformation…kleine eruptionen entlarven die diskursregeln…

denn wie fühlt es sich, auf diesen körper zu schauen, ihr fettwanstigen, glatzköpfigen, untrainierten mannsmenschen? ja, so fühlt sich der eigene körper an, wenn er mit körpern konfrontiert wird, die nach geltenden diskursregeln als WAHRhaftig schön gelten. is irgendwie kacke, oder? deine freundin geiert auf einen anderen körper und du würdest gerne soviel dazu sagen…der kann garnicht fußball spielen, der ist strohdoof, wie kann der nur mit posh spice zusammen sein, das sage doch schon alles…aber du sagst nichts, weil du dir blöd dabei vorkommst, pah, soll se doch glotzen…is ja nur ein plakat und die werden auch bald wieder abgehängt und dann kommt die sommerbikinikollektion und dann ist alles wieder richtig und so, wie es sein soll…dann kannst du wieder geiern.

ja, es ist zugegebenermaßen nur ein kleiner bruch, ein kleiner riss im heterosexistischen fundament aber es ist eine chance für alle, die etwas hören wollen. das rauschen der diskurse nämlich. frauenfleisch hat der allgemeinheit uneingeschränkt zur verfügung zu stehen, die macht schreibt sich in die körper, jedesmal, wenn ich an alessandra ambrosio oder kate moss vorbei gehe, schreiben sie sich in meinen körper, die regeln des körperdiskurses und jetzt schreibt sich david beckham ein und offenbart das ungesagte, das naturalisierte, das ahistorisierte: sex sells heißt eigentlich: naked female body sells. nur darüber zu sprechen ist out, sich als feministin über die sexualisierte werbeindustrie aufzuregen is soooo booooring! that’s fashion baby, come down and relax!

und jetzt kommt david und lässt uns staunen: wow, was ist das, was sich da an der bushaltestelle in aller öffentlichkeit in den betrachter_innen regt? begehren? öffentliches weibliches begehren, öffentliches begehren eines männlichen körpers generell – das ist traditionell skandalös, es passt nicht ins konzept, es verschiebt was.

alles noch nicht der weißheit letzter schluss aber ein kleines aufbäumen im kampf um die diskursive definitionsmacht über körper und geschlecht.

in diesem sinne:

vielen dank, mr. beckham!

*(was auch immer männerkörper sein sollen…ich beziehe mich auf die körper, die nach geltenden diskursregeln als männlich bzw. weiblich (an)erkannt werden und verweise ausdrücklich auf den konstruktiven charakter sowohl der heteronormativen binarität dieses geschlechtersystems als auch von geschlecht selbst als kategorisierung von menschen und körpern)

Pirat_innen, fertig zum (k)entern!

Danilola bloggt in seinem, m. E. gut gelungenem Eintrag darüber, warum er die Piratenpartei momentan nicht wählen würde aber im Herzen eine Pirat_in in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes ist.

MMhhh, das sollte doch eigentlich sein Recht sein, sich aus einer genderkritischen Perspektive mit Parteiprogramm, Parteistruktur und parteinahem Umfeld auseinanderzusetzen. Die Mehrzahl der bisher 270 Kommentare zeigen mir allerdings, dass ein Kratzen an tradierten Geschlechterdenkmustern wie ein Stich ins Wespennest ist. Es wird gebissen und getreten und mit Händen und Füßen die liebgewonnene Geschlechterordnung verteidigt, obwohl diese in Danilolas Beitrag überhaupt nicht zur Disposition stand.

Es wurde nicht so hitzig diskutiert über Danilolas Hinweise auf die fehlende Auseinandersetzung mit Barrierefreiheit im Netz oder Themen rund um den Umweltschutz. Nicht, das ich Netzdiskussionen gut heiße, die soweit unter der Gürtellinie sind, dass sie einem den Fuß brechen, aber ich stelle fest, dass die Menschen irgendwie persönlich angepiekt zu sein scheinen, wenn es um Genderthemen geht. Da drehen sich die Argumentationen darum, wer was wem wegnimmt und ob die Natur das so vorher bestimmt hat und ob die Feminist_innen überhaupt wissen, was sie da anrichten etc.

Das sind meine Buddelsachen!!! Geh da weg!

Das sind meine Buddelsachen!!! Geh da weg!

Jetzt kriegt euch mal wieder ein, keine_r will euch eure Buddelförmchen wegnehmen!

Von einer kritischen Auseinandersetzung mit Geschlechternormen und Gesellschaftsordnungen profitieren alle, egal ob und welchen Geschlechts sie sich zugehörig fühlen oder welchen anderen Kategorisierungen sie unterliegen. Letzendlich geht es doch darum, Respekt und Wertschätzung verschiedener individueller Lebensentwürfe und Lebensweisen zu fördern und den Zugang zu gesellschaftlicher Macht bzw. Mitspracherechten und Gestaltungsfreiräumen nicht nur einer kleinen normkonformen weißen, männlichen, heterosexuellen, unversehrten, 25-40 jährigen, bildungsbürgerlichen… Elite zu ermöglichen.

In diesem Sinne: fertig machen zum entern!

D.