vielen dank, mr. beckham!

vielen dank, dass sie ihren, sagen wir ruhig, wie es ist, wohlgeformten körper meinen begehrlichen blicken aussetzen. und nicht nur meinen…

kleine revolutionen finden da statt vor den großflächig plakatierten werbeanzeigen von Hasi&Mausi. scheue blicke, neidische blicke, lüsternde blicke, heimliche blicke auf einen (halb)nackten männerkörper*.

david oben ohne

david beckham macht sich nackisch

huch, wartet mal, männerfleisch wird zur schau gestellt? oh behave! eine, wie ich meine, wohltuende abwechslung im dickicht der nackten frauenbrüste, der devoten posen und geöffneten münder.

ja, diese abwechslung verbleibt im heteronormativen regime der sexualisierten konsumindustrie, denn es wird ein produkt verkauft mit einem weißen, jungen, straffen, unversehrten und retuschierten körper. und ja, david schaut mir in die augen, selbstbewußt führt er vor, was er hat, er unterwirft sich mir nicht, so wie sich die brigaden der frauenkörper dem blickregime des (männlichen) betrachters zu unterwerfen haben und dennoch…

… kleine verschiebungen in der diskursformation…kleine eruptionen entlarven die diskursregeln…

denn wie fühlt es sich, auf diesen körper zu schauen, ihr fettwanstigen, glatzköpfigen, untrainierten mannsmenschen? ja, so fühlt sich der eigene körper an, wenn er mit körpern konfrontiert wird, die nach geltenden diskursregeln als WAHRhaftig schön gelten. is irgendwie kacke, oder? deine freundin geiert auf einen anderen körper und du würdest gerne soviel dazu sagen…der kann garnicht fußball spielen, der ist strohdoof, wie kann der nur mit posh spice zusammen sein, das sage doch schon alles…aber du sagst nichts, weil du dir blöd dabei vorkommst, pah, soll se doch glotzen…is ja nur ein plakat und die werden auch bald wieder abgehängt und dann kommt die sommerbikinikollektion und dann ist alles wieder richtig und so, wie es sein soll…dann kannst du wieder geiern.

ja, es ist zugegebenermaßen nur ein kleiner bruch, ein kleiner riss im heterosexistischen fundament aber es ist eine chance für alle, die etwas hören wollen. das rauschen der diskurse nämlich. frauenfleisch hat der allgemeinheit uneingeschränkt zur verfügung zu stehen, die macht schreibt sich in die körper, jedesmal, wenn ich an alessandra ambrosio oder kate moss vorbei gehe, schreiben sie sich in meinen körper, die regeln des körperdiskurses und jetzt schreibt sich david beckham ein und offenbart das ungesagte, das naturalisierte, das ahistorisierte: sex sells heißt eigentlich: naked female body sells. nur darüber zu sprechen ist out, sich als feministin über die sexualisierte werbeindustrie aufzuregen is soooo booooring! that’s fashion baby, come down and relax!

und jetzt kommt david und lässt uns staunen: wow, was ist das, was sich da an der bushaltestelle in aller öffentlichkeit in den betrachter_innen regt? begehren? öffentliches weibliches begehren, öffentliches begehren eines männlichen körpers generell – das ist traditionell skandalös, es passt nicht ins konzept, es verschiebt was.

alles noch nicht der weißheit letzter schluss aber ein kleines aufbäumen im kampf um die diskursive definitionsmacht über körper und geschlecht.

in diesem sinne:

vielen dank, mr. beckham!

*(was auch immer männerkörper sein sollen…ich beziehe mich auf die körper, die nach geltenden diskursregeln als männlich bzw. weiblich (an)erkannt werden und verweise ausdrücklich auf den konstruktiven charakter sowohl der heteronormativen binarität dieses geschlechtersystems als auch von geschlecht selbst als kategorisierung von menschen und körpern)

Advertisements

26 Antworten

  1. Nö uns Männer juckt so etwas nicht, denn dank gestörter Eigenwahrnehmung halten wir uns immer für mindestens ebenso attraktiv.

  2. „*(was auch immer männerkörper sein sollen…ich beziehe mich auf die körper, die nach geltenden diskursregeln als männlich bzw. weiblich (an)erkannt werden und verweise ausdrücklich auf den konstruktiven charakter sowohl der heteronormativen binarität dieses geschlechtersystems als auch von geschlecht selbst als kategorisierung von menschen und körpern)“

    Ich bin mir sicher, dass wenn man Männerkörper nicht mehr so nennt, dann bekommen die auch alle plötzlich Titten und breite Hüften.

    Eigentlich weiss doch jeder Depp, was mit Männer oder Frauenkörpern gemeint ist. Und genau so weiss eigentlich jeder, das nicht alle der ‚typischen‘ Körperform entsprechen – sondern das es zur Mitte hin Abweichungen gibt.

    Es tut mir Leid das die Natur zu faul war um mehr als 2 biologische Geschlechter und Körperformen zu entwickeln um hier Sensibilitäten zu beruhigen.

    Das hat überhaupt nichts mit Heteronormativität zu tun. Da steht nicht dran nur Frauen dürfen das sexy finden.

    Wie gut es funktioniert Körpern einzureden, dass sie doch ein anderes Geschlecht sind können ja gerade die Transgender bzw. Trans- oder Intersexuellen bestätigen. Nämlich so gut wie gar nicht.
    Aber vielleicht fehlt ihnen ja nur die Kraft mit Wunschdenken ihrer von der Biologie vorgebebenen Körperbau zu ändern.

    Ich glaub es sollte relativ klar sein, das Körper nicht konstruierbar sind.

  3. Lustig, ich habe heute beim Warten auf den Bus längere Zeit ein Plakat aus besagter Werbekampagne betrachtet und mir ähnliches gedacht. Mein erster Gedanke war aber: „Der hatte aber auch schon mal mehr Sixpack, oder?!“ Ich erinnere mich noch an eine D&G (?)-Kampagne mit David Beckham, da sah das krasser aus. Nun ja, vom Bauch glitt mein Blick dann eine Etage tiefer, und siehe da: auch in Sachen Package eher unauffällig. Mein zweiter Gedanke daher: Wurde da retouchiert? Und wenn ja, warum? Um dem männlichen Betrachter ebenjene Reflexionsmöglichkeit zu lassen, die da bedeutet: „Tzä, also in der Hose hat DER aber nich besonders viel!“ Oder auch: „Soooo viel anders siehts bei mir ja dann doch auch nicht aus!“ Oder habe ich mir das nur eingebildet? Photoshop-Expert_innen vor!

  4. @sylvia: es gibt wesentlich mehr als 2 (sex) geschlechter – nur unsere soziale welt hat diese beiden als die dominanten definiert. alles andere wird negiert. in anderen gesellschaften gibt es bis zu 6 unterschiedliche geschlechter, wobei auch nicht zwischen sex und gender unterschieden wird. an dieser stelle würde körper keine rollen spielen. in unserer gesellschaft ist dem leider nicht so. vllt der einfachheit halber, vllt entsprechend dem althergebrachten polaren o auch schwarz/weiß-denken ist es fakt: körper sind konstruierbar – das ist das schicksal was jedes jahr tausende von menschen erfahren – ob durch beschneidung oder die umwülstung ihres geschlechts. intersexuelle als eigenes geschlecht zu kategorisieren, wäre schon mal ein schritt ein wenig mehr graustufen zu zu lassen

    ich bin sehr froh über diesen text und auch über die recht eindeutige definition von „körper“ danke!

  5. Als Mann kann ich dazu nur sagen: Dann hängt Beckham eben an Plakatwänden und an Bushaltestellen. Der Körper hat eine gewisse Ästhetik. Das ist nicht „kacke“, sondern es stört mich einfach nicht. Ich hatte bisher auch noch nicht den Drang, aufgrund der Plakate Beckham verbal nieder zu machen.

  6. Passend dazu: „Spiel lieber Fußball“ http://goo.gl/fU5Un

  7. Zuerst eine kleine Besserwisserei: alles noch nicht der weißheit letzter schluss aber ein kleines aufbäumen im kampf um die diskursive definitionsmacht über körper und geschlecht. Du meinst doch sicherlich Weisheit, nicht Weißheit.

    …schließe mich ansonsten den anwesenden Männern hier an. Ich gönne auch den Weibern, sogar den feministischen Weibern, eine Freude. Ehrlich!

  8. Ich weiß dass dir darum nicht geht, aber ich (m/h) bin ziemlich weit vom Beckham entfernt, aber so lange die Ästhetik stimmt und ein Bezug zwischen Produkt und nacktem Körper da ist, finde ich das völlig in Ordnung und sehr keine Probleme. Ich denke das mittlerweile allen klar sein sollte, das Menschen deren Körper und vorgeführt werden so aussehen, Werl es ihr Job ist gut auszusehen und weil es Photoshop gibt. Wenn wir den ganzen Tag zeit hatten und Saul zu kümmern gut auszusehen, wurden wir auch alle anders aussehen.wie kann man das außerhalb der Porträt auf sich beziehen?

  9. Verd. T9…Porträt sollte Pubertät heißen. Da ist es wirklich problematisch, aber teil dieses Lebensabschnitt ist zu lernen damit umzugehen. Also von mir aus mehr halbnackte Männer!

  10. Kann mich den Vorrednern nur anschließen – wir Männer mit Bauch fühlen uns nicht bedroht von besser aussehenden Männern, warum auch? Aber interessant, dass Frauen ihre Rivalität untereinander sogar auf uns übertragen wollen. Hört lieber auf, ständig wie Models aussehen zu wollen, die sowieso niemand attraktiv findet.

    • @milch_maedchen: ich glaube tatsächlich, dass beckham eher schüchtern ist, jedenfalls macht er in interviews oft diesen eindruck.
      diskursanalytisch würde ich dazu sagen, dass er (nicht nur) mit seinen bildern außerhalb dessen steht, was als wahr und richtig gilt. im fußball als eine brutstätte heteronormativer männlichkeitsklischees hat MANN eben fußball zu spielen und sich nicht auszuziehen. ein ‚richtiger‘ fußballer/mann hat eher durch seine callgirl-skandale aufzufallen als dadurch sich selbst als (jetzt wirds vulgär) wixvorlage zu präsentieren. der rummel um beckham entsteht immer an den punkten, wo er irgendwie an den rollenklischees kratzt, wie z.b. durch seine vielen frisurenwechsel oder wer erinnert sich nicht an den hype um seine lackierten fingernägel (seine affäre mit rebecca loos war da hingegen garnicht so schlimm). und nun steht er da, mit diesem ganzen überhype um seine bilder, was hat für eine wahl? er kann auch nur das sprechen, was öffentlich sprech- und denkbar ist (um mal im jargon der diskurstheorie zu bleiben), also rudert er zurück.

  11. Tja, einmal abgesehen davon, dass ich deinen Wunsch nach „jetzt seht ihr Männer auch mal, wie scheiße das ist!“ irgendwo auch ganz gut nachvollziehen kann, sieht es den Kommentaren nach zu urteilen offenbar noch mieser aus, als gedacht:
    Offenbar sind viele Männer nicht nur seltener mit schönheitsidealrelevanten und erotisierenden Bildern von männlichen Körpern umstellt — sie scheinen sich auch weniger verunsichert durch soetwas zu fühlen; ihr Gefühl von „ich bin nicht ok“ scheint irgendwie nicht stark genug ausgeprägt, um sich duch eine Werbekampagne verunsichern zu lassen. Und selbst wenn sie sich mit dem Typen da auf dem Plakat identifizieren, gibt es (du hast es benannt) einfach so viele positive Charakterzüge wie Selbstbewusstsein…
    Aber bestimmt gibt es auch den ein oder anderen, der sich dann doch unwohl fühlt, da kannst du ganz beruhigt sein.
    Dennoch zwei Sachen zum nachdenken:

    – Ist es nicht eigentlich ein gemeiner Zug von dir, „den Männern“ all den Mist an den Hals zu wünschen, der vielen Frauen so übel mitspielt?

    – Ich sehe eigentlich keinen „riss im heterosexistischen [F]undament “ — „heterosexuell“ ist ja keine Einbahnstraße sondern bezeichnet ein Verhältnis eines weiblichen und männlichen Begehrens zueinander, das hier jawohl mehr als tradiert und angefeuert wird.
    Vielleicht meinst du aber, dass durch die Kampagne etwas positives passiert, das ich so jetzt auch verstehen kann: Es wird die starke Assoziation von weiblichen Körpern, erotischer Inszenierung und Retuschierung als Gegenstand der Betrachtung ein wenig gelockert, in dem ein Teil des Bündels jetzt mal ausnahmsweise ein männlicher Körper ist, mit all den für diesen Typ von erotischer Körperinszenierung denkbaren Merkmalen.
    Das lockert das Gewohnte ein bischen auf, und es lässt gut vergleichen, welche Unterschiede es dann bei der Inszenierung gibt: offener Mund z. B., … — du hast ja ein paar Sachen genannt.

    That’s it,
    LG 😉

    Alex
    PS: Und dann bringe ich noch mein „et ceterum censeo“ zum Thema sexualisierte Lebenswelt unter: Lest Myrthe Hilkens, die Frau ist schlau und verständlich! Notfalls hier: http://www.brigitte.de/liebe/sex-flirten/myrthe-hilkens-sexuelle-revolution-1054597/

    • @alex: also ich wünsche niemandem die pest der sexualisierung und objektisierung an den hals und an diesem punkt habe ich mich im artikel ja auch innerhalb des heteronormativen gefüges bewegt, so a la: wenn du ein mann bist, dann siehst du nicht, wie alltäglich und allmächtig der körperterror für frauen ist. wenn mensch als feminist_in durch die welt läuft, braucht es ein dickes fell und manchmal auch das eine oder andere ‚blinde‘ auge, um nicht vollends zynisch zu werden. und da bricht auch manchmal die polemik in mir durch, wenn ich auf dinge stoße, wo ich sagen kann: ‚moment mal, hier ist doch irgend etwas anders als sonst.‘ Und dieses gefühl wollte ich zum ausdruck bringen. weil es einfacher ist, in eben jenen momenten inne zu halten und den blick zu schärfen als in den momenten, wo tradierte bilder von männlichkeit und weiblichkeit reproduziert werden. ich bin ja auch teil dieses diskurses, ich kann auch nur an den bruchstellen hören, wie die diskurse rauschen.
      ich finde, dass die bilder von david beckham zumindestens das potential haben, heterosexistische normen ausfzubrechen, weil, wenn ich diese bilder weiterdenke, rollenbilder als solche identifizierbar werden können. wenn mir auffällt, dass hier etwas gezeigt wird, was eher selten ist, dann kann ich mich fragen warum das so ist. warum werden eher frauen nackt und sexualisiert gezeigt? und dann könnte eine antwort sein, dass wir daran die folgen einer langen denktradition sehen, die frauen als geschlechtswesen konstruiert und männer als rationale verunftswesen. diese binäre polarisierung ist tief verwurzelt in der entstehung der naturwissenschaften und der herausbildung des bürgertums, eine ausführliche darstellung sprengt an dieser stelle den rahmen. es sei nur karin hausen’s ‚die polarisierung der geschlechtscharaktere‘ empfohlen oder auch philip sarasin’s ‚reizbare maschinen‘.
      garnicht zur sprache kamen in meinem post die kategorisierungen, die in ihrer gegenseitigen durchdringung mit geschlecht zu denken sind, wie race oder ability. es gibt viele anknüpfungspunkte, die ihr erschütterungspotential entfalten könnten. allerdings ist es mit nur einer werbekampagne nicht getan und ich gebe dir recht, dass die sexualisierung aller geschlechter zum zwecke der vermarktung auch nicht der könig_innenweg ist.
      da würde ich eher in die richtug von myrthe hilkens gehen und dafür plädieren, dass es eine grundlegend neue form der sexualität bedarf. eine, die auf kommunikation und respekt und konsens beruht. allerdings gehe ich nicht mit hilkens mit, wenn sie sagt, das eine befreiung von den frauenverachtenden pornobildern durch eine zensur der pornos zu erreichen ist. ich halte es da eher mit annie sprinkle: ‚die antwort auf schlechten porno ist nicht kein porno, sondern mehr guter porno‘ 😉

      lg,d.

  12. […] Himbeeren in der Badewanne. Macht eurem Papa ein Mixtape. Lest die Vagina Monologe. Reibt euch an an einem H&M-Plakat. Zeigt euren weltbesten Freunden, wie viel schöner euer Leben mit ihnen ist. Küsst eine […]

  13. Tja, noch ein Männerkommentar. Und einer, der ins selbst Horn stößt: Warum soll mich das Beckham-Plakat stören? Das Unwohlsein der Frauen habe ich ehrlich gesagt bei Plakaten mit weiblichen Models nie verstanden. Aber ich habe dieses Unwohlsein akzeptiert, ernst genommen und versucht zu verstehen. Wenn ich aber jetzt lese, dass das Beckham-Plakat bei Männern das gleiche Unwohlsein hervorrufen soll, dann sehe ich ein, dieses Unwohlsein noch nicht einmal ansatzweise verstehen zu können.

  14. […] Einblicke oder zumindest einen Anstoß zum Perspektiven-Wechseln bietet da dieses: Beckham (Diana schreibt) – wenn schon, denn schon!? Und auch Mama007 hat sich dazu schon ihre […]

  15. Ach, so ein Quatsch, das als einen Schritt in die richtige Richtung zu interpretieren. Die Werbung zeigt einen Mann, wie er nach gängigen Schönheitsidealen auszusehen hat. Ein „schlechtaussehender“ Mann wär da nicht draufgekommen. Auch nicht einer, der nicht so selbstbewusst (wie es sich für einen anständigen Mann shcließlich Gehört) in die kamera schaut.

    Außerdem kann ich mich nicht erinnern ne Werbung mit nackten Brüsten von ner Frau gesehen zu haben. (Weil du das ja in deinem Artikel behauptet hast).

    ach ja, und sylvia muss ich in soweit zustimmen als dass körper nich konstruierbar sind. es GIBT mMn männliche Körper – erkennbar an den Geschlechtsorganen, keine Brüste, …
    Das schließt ja nich aus, dass es außerhalb von Männern und Frauen noch was dazwischen gibt. Aber das sind halt Ausnahmen und – wenn man das betrachtet wies von der Natur so gedacht is – Missgeburten [das ist nicht wertend gemeint], da sie nicht der Erhaltung der Art dienen können (?) (nur kurz hier das Stichwort dazu: Evolution).

    • @männlich: mit deinem kommentar bist du haarscharf am papierkorb vorbeigeschrammt, vor allem wegen deiner wortwahl im letzten absatz (von der ich mich mit aller vehemenz distanziere!).
      ich habe deinen kommentar trotzdem freigeschaltet, weil ich stellung nehmen will zu der äußerst differenziert argumentierten aussage: körper sind nicht konstruierbar (ich hoffe, der sarkasmus war deutlich genug).
      eine ganze theorieströmung in den geisteswissenschaften zu negieren, ohne dass ich da bei dir fundiertes hintergrundwissen heraus höre, ist entweder anmaßend oder schlicht weg ignorant. körper zwischen materialität und konstruktion ist ein weites feld u.a. der cultural, gender und queer studies und in diesem feld habe ich mich positioniert.
      kulturelle vorstellungen von körpern, welchen geschlechts auch immer, formen die körper, sei es hinsichtlich der ausprägung ihrer muskulatur, ihrer fettverteilung, ihrer frisuren, ihre fingernägel, ihrer ‚verschönerungstechniken‘ wie bspw. make up oder auch invasive methoden, wie implantate oder botox. dazu brauchst du dir doch nur die schönheitsideale durch die jahrhunderte und kulturen hinweg anschauen und dann siehst du, wie macht die körper formt und damit auch körper als geschlechtskörper produziert, mit allen historisch variablen einschreibungen in die geschlechtskörper.
      also was eine ‚richtige frau‘ ist oder ein ‚richtiger mann‘ ist, ist so kontextabhängig wie die form der körper, an die diese ‚eigenschaften‘ geknüpft sind. das hat mit evolution nichts zu tun sondern mit kultur und gesellschaftlichen dogmen.
      nur mal so das stichwort dazu: evolutionstheorien selbst sind ebenso diskursiv, wie die gegenstände, mit denen sich evolutionstheorien beschäftigen. mehr noch: diskurse produzieren auch immer die gegenstände, mit denen sie sich beschäftigen. um mich als evolutionswissenschaftler_in mit der evolution von ‚männern‘ und ‚frauen‘ beschäftigen zu können, muss ich meine untersuchungsgegenstände erstmal definieren, ich muss sie benennen. und diese benennungspraxis spielt immer nach den regeln der diskurse und umgegekehrt.
      insofern gibt es nicht den ‚wahren‘ vorkulturellen körper, was nicht heißt, dass sich ein körper erst durch seine benennung physiologisch materialisiert, sondern dass wir ihn sozusagen erst kulturell materialisieren, indem wir ihn definieren.

      • Was ja alles schön und gut ist – aber an einem nackten Körper halt eine überflüssige Diskussion.

        Sicherlich hat Frisur, Make-Up, Bart und Kleidung einen Einfluss darauf ob wir Menschen als männlich oder weiblich oder oh mein Gott ich kann es nicht zuordnen einsortieren.

        Aber genau das spielt hier eben keine Rolle, wenn es darum geht zu erkennen, das der gute David einen Männerkörper hat. Selbst mit Tüte aufm Kopf, würde jeder sagen, dass ist ein Männerkörper und genau das ist das worauf glaub ich @männlich bzw. ich ursprünglich rauswollten.

        (Halb)-Nackte-Körper sind nicht konstruierbar. Sie mögen chirugisch oder durch krasses Muskeltraining umwandelbar bzw. anonymisierbar sein – aber prinzipiell gibt es zwei „Normkörper“ die für jeden als männlich oder weiblich zuordnenbar sind und Menschen die von dieser Norm (z.B. durch Gewicht) abweichen aber trotzdem meistens als solche erkennbar sind.

        Was ich sagen will: der biologische Körper ist nicht konstruierbar – und viel mehr hat man gerade in dem Bild eben nicht zur Auswahl. Selbst mit Tattoo/Frisur/Bart-verdeckenden Ganzkörperkondom – wäre es als Männerkörper erkennbar.

        Ob das gut oder schlecht ist und den Männern gerecht wird, die nicht so aussehen spielt dabei kaum eine Rolle, weil es ja auch nicht *der Männerkörper* sondern *ein* Männerkörper ist. – Eine Ausprägung von „breite Schultern, keine Brüste, Kehlkopf, männliche Gesichtszüge etc.“ ist.

      • ich geh mal absatzweise drauf ein was du schreibst

        1. oh, danke wie gnädig (es is doch selbstverständlich, da vorraussetzung für ne diskussion, das du mein beitrag freischaltest, von daher: was soll diese überhebliche art (bei der ich das gefühl bekomm ich soll mich bedanken, für ne selbstverständlichkeit). dadurch entsteht auch ne hierarchie, bei der ich ein sehr ungutes gefühl bekomm. bitte lass uns auf augenhöhe miteinander diskutieren.

        2. (s. 1.,) shcön, die aussage „körper sin nich konstruierbar“ is nich differenziert, man muss ja aber auch nicht immer differenziert sein (z.B. „gras ist grün“).

        3. „eine ganze theorieströmung…“ => es ist schön für die theorie, dass es von ihr eine ganze strömung gibt, nur leider is das kein argument. überflüssig mMn dass du das schreibst. das gleiche gilt mMn für “ … habe ich mich positioniert“. interessiert nicht für die debatte. (Nicht böse gemeint.)

        „entweder anmaßend“ > ok, bezeichne es als anmaßend. genau das ist es, was ich für eine gute debatte für unabdinglich halte: ich maße mich an, mal was zu behaupten, evtl ohne ausreichend hintergrundwissen zu haben. und du erwiderst dann etwas, bei dem du mich (möglichst umfassend) in das themenfeld einführst („schau mal, da gibts dies und jenes, was du nicht beachtet hast“), und ich sag dann entweder „aha, stimmt, das hab ich garnicht beachtet => du hast recht“ oder „nee, dies und jenes ist da mMn falsch“.

        4. [ENDLICH was inhaltliches (nicht-metaebene) *aufatem* ]

        was du hier ansprichst sind ja sachen wie „frisuren, ihre fingernägel, ihrer ‘verschönerungstechniken’ wie bspw. make up oder auch invasive methoden. dass das alles passiert seh ich genauso (sieht ja jeder wie frauen und männer jew. meistens rumlaufen). allerdings meinte ich was andres ( – und das hab ich ja auch geschrieben). ich meinte allerdings dinge wie brüste, ärsche, hüften, etc. etc., ich bin ja kein biologe, aber punkto brüste und geschlechtsteile sind ziemlich offensichtlich, außerdem JEW. TENDENZIELL:

        -stärkere Körperbehaarung bei Männern

        -größere Ärsche bei Frauen, breitere Hüften.

        also: „was (…) ein ‘richtiger mann’ ist, ist so kontextabhängig wie die form der körper“ => Dazu sage ich: Nein, bestimmte Dinge (ganz schön viele^^), sind vom Geschlecht her (biologisch) festgelegt.

        6. was heißt „evolutionstheorien selbst sind ebenso diskursiv“? ich versteh das nicht.

        [Wenn ich den teil mal ignoriere:]

        ja, stimmt, man muss erstmal die unters.gegenstände definieren, um mit der theorie irgendwas machen zu können. ja und? (ich check nich was du damit sagen willst)

        7. was meinst du mit „physiologisch materialisiert“? (kann es sein dass du „physiologisch“ falsch benutzt hast?)

        „insofern gibt es nicht den ‘wahren’ vorkulturellen körper (…)“ > Doch, den gibt es, siehe 4. Würde mich interessieren was du dazu zu schreiben hast.

        ich würde mich freuen wenn du dich weniger kompliziert ausdrücken würdest, wo das möglich ist. deine sprache macht mir mindestens mühe.

        ich hoffe ich schreib klar genug & nicht zu durcheinander.

        {Ich halte die Debatte übrigens für wichtig und find es schade dass du mit so nem überheblichen Tonfall daher kommst. Das ruft bei mir das Gefühl hervor, dass ich auf Abstand zu dir gehn will. und das find ich in Hinblick auf den praktischen Antisexismus extrem schlecht.}

      • @männlich: ich behalte es mir vor, in meinem blog zu entscheiden, ob ich äußerungen einen raum gebe, die ich diskriminierend finde. ich wollte transparent machen, dass ich deinen kommentar problematisch fand, daher die anmerkung mit dem papierkorb.
        ich kann dir leider in form einen blogkommentars nicht umfassend darlegen, wie sich die kukturelle konstruktion von zweigeschlechtlichkeit in die körper und deren ‚erforschung‘ einschreibt. was du ansprichst mit den hüften, haarwuchs etc. sind nicht facetten von geschlecht, sondern körperformen, die nachträglich in ein geschlechtermodell einsortiert werden.
        in der traditionellen biologie selbst gibt es keine eindeutige definition von männlichem und weiblichem geschlecht, es gibt nur ordnungskategorien, also das chromosomale geschlecht, die sog. primären und sekundären geschlechtsmerkmale und dann gibt es noch das hormonelle geschlecht. wir alle bewegen uns in bezug auf diese verschiedenen identifikationsmodelle auf skalen, es gibt nicht DEN rein männlichen körper oder DEN rein weiblichen körper. judith butler sagt dazu in ihrem buch ‚das unbehagen der geschlechter‘, dass die gesellschaftlich/kulturell geprägten vorstellungen von geschlecht eine nie zu erreichende norm sind. allerdings herrscht ein immenser druck zur verortung im zweigeschlechtersystem, also quasi ein zwang, sich einem geschlecht zuzuordnen und dann die rollenbilder/klischees/vorstellungen/erwartungen, die an dieses geschlecht gebunden sind, möglichst gut zu erfüllen. dieser druck, gepaart mit der unmöglichkeit der erreichung ‚reiner‘ oder ‚wahrer‘ männlich- bzw. weiblichkeit, ist die triebfeder immer wiederkehrender reproduktionsprozesse in wissenschaft, gesellschaft und politik, die dazu führen, dass die enstehung der idee von zweigeschlechtlichkeit und von geschlechtscharakteren und auch von körpernformen naturalsisiert werden. ihr historisches gewachsen-sein und die kämpfe, die um diese definitionen geführt wurden und werden, werden so unsichtbar gemacht. feministische wissenschaftler_innen weisen z.b. immer wieder daraufhin, dass in studien zu anatomischen unterschieden zwischen den geschlechtern die daten immer im hinblick auf ihre differenz ausgewertet werden.a llerdings die gemeinsamkeiten zwischen den geschlechtern oft gravierender sind als ihre unterschiede (auch was körperbau, größe, knochenstatue usw. angeht, aber auch die so populäre gehirnforschung). wissenschaft setzt also scho die differenz voraus, die differenz ist ihr ausgangspunkt, vor dieser schablone werden ergebnisse von forschungen ausgewertet, welche dan wiederrum ihren beitrag zur naturalisierung von zweigeschlechtlichkeit beitragen und dann gehts wieder von vorne los.
        deutlich wird die macht der normierung ja schon im alltäglichen sprachgebrauch, wie z.b.: ‚ui, die is aber groß für ene frau‘ oder ‚der hat ja hüften, wie eine frau‘ oder ‚die is aber behaart wie ein mann‘ usw. es werden willkürlich irgendwelche grenzen gesetzt, entlang derer dann menschen eingeordnet werden und dann auch sanktioniert werden. ich meine, wer entscheidet denn, an welchen stellen, wieviel haare wachsen dürfen, bevor eine ‚frau‘ zu ‚männlich‘ wird? oder wann eine hüfte zu breit wird, wieviel fett an einer brust sein darf, bevor es eine ‚weibliche‘ brust wird etc.
        ein ganz drastisches beispiel ist da die chirurgische ‚korrektur’von ‚uneindeutigen‘ geschlechtsmerkmalen. da wurde mal so festgelegt, dass eine klitoris ab einer bestimmten größe und länge eigentlich ein penis ist und umgekehrt. und dann werden neugeborene, deren geschlecht für die ärzt_innen nicht einordenbar sind, operiert oder genauer gesagt: verstümmelt. das hat lebenslange schmerzen, medikamenteneinnahme und psychologische probleme zur folge. und das ist nur die spitze des eisberges.
        unser gesamtes denken, unsere sprache und unsere soziale interaktionen sind durchzogen von vorstellungen über geschlecht, die wir jeden tag wieder unbewußt reproduzieren, um uns dann wiederrum auf sie zu berufen. (das meine ich mit kultureller materialisierung. geschlecht entsteht in unseren köpfen und materialisiert sich dann in (geschlechts)körpern. das diese körper ansich, als fleisch und blut und gewebe präkulturell existieren, bestreite ich nicht, also dass sie physiologisch existent sind.) dieser kreislauf ist der diskurs, also alle aussagen (in welcher form auch immer, schriftlich, mündlich, bildlich etc.), die zu einem bestimmten thema getroffen werden. und dieser diskurs ist keine machtfreie struktur, sondern sanktioniert menschen/körper (über gesetze, witze, redensarten, bilder, über kleidungsnormen, verhaltenscodici, über die zuordnung bestimmter tätigkeiten zu einem bestimmten geschlecht usw., die liste könnte ewig fortgesetzt werden). diese sanktionierung bleibt nur solange unsichtbar, solange alle mitmachen und es keine brüche/unstimmigkeiten gibt. und eben so eine unstimmigkeit, meine ich in der bilderserie von beckham festgestellt zu haben. dass die fotos von david beckham jetzt nicht das nonplusultra queerer antisexistischer intervention sind, habe ich ja auch schon im artikel gesagt. in meiner antwort zum kommentar von alex (siehe weiter oben) bin ich auf diesen punkt nochmal näher eingegangen.

        ich habe mal links zusammengesucht, auf denen du weiterführende informationen und literaturtipps findest:

        http://medienelite.de/2009/10/26/zweigeschlechtlichkeit-biologisch-fundiert-oder-sozial-konstruiert/

        http://dasendedessex.blogsport.de/category/3/

        http://blog.zwischengeschlecht.info/post/2012/02/14/Eva-Matt-Ethikrat-Sachverstaendige-1

        foucault zur einführung: http://www.perlentaucher.de/buch/24124.html

        ich hoffe, es war diesmal verständlicher ausgedrückt.

        d.

  16. Vielen Dank Mr. Beckham,

    so herrlich männlich geschönt.
    Bin mal gespannt wie viele Männer nun an ihrer Pefektion zweifeln?
    Sich in der Mukkibbude geiseln oder ihren Bierbauch abhungern um diese Pefektion zu erreichen.

    Aber die Herren sind doch so wie sie sind perfekt, oder?

  17. @BÄRdine: Sinnlose Pauschalisierung. Ich behaupte einfach mal das es vom Individuum und nicht vom Geschlecht abhängt, ob sich ein Mensch durch Werbebilder beeinflussen lässt.

    @Dianaschreibt: Ich möchte garkeinen ellenlangen Text verfassen… ABER *g*: Es ist schon richtig das die genetischen Anlagen bis zu einem bestimmten Punkt fast indentisch sind ? Und was wäre damit bewiesen ? Das Frauen und Männer eins sind ? Gesellschaftspolitisch, sozialpolitisch SOLLTEN man keine Unterschiede machen. In Europa sind wir da auf einem guten Weg. Verbessern kann und muss man immer. Aber biologisch sind Unterschiede vorhanden. AUCH bei den Körperformen, bzw. physiologisch. Wären diese Unterschiede nicht vorhanden, hätte unsere Spezies vermutlich nicht überleben können…
    Ich bin ein Mann, und fühle mich sehr wohl dabei.
    Ich wünsche allen Frauen dasselbe.

  18. Hmm, ein gut aussehender Männerkörper motiviert mich höchstens dazu, mich selber besser zu formen.

    Wenn meine Freundin Spaß daran hat, anderen Männern nachzugucken, dann soll sie das doch bitte machen. Wenn auf der anderen Straßenseite eine vollbusige, knapp bekleidete Schönheit vorbei läuft ist sie diejenige, die sagt: „Boah! Guck mal!!“ (falls mir der Fauxpas unterlaufen sollte, so etwas nicht selber zu bemerken).

    Aber ganz ehrlich? Mir sind nackte Frauenkörper auf Plakaten lieber als nackte Männer. Warum? Weil Frauen schöner sind! So einfach ist das!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: