Dianas Blog

Gender

Was eine große Überschrift für so eine kleine Seite in einem Blog. Nun ja, ich möchte euch wenigstens versuchen zu erklären, warum ich Gender Studies studiere, was für mich bedeutet und welche Funktion(en) es in meinem Leben erfüllt/erfüllen soll…

Ich studiere seit 2002 an der Humboldt Universität zu Berlin und werde hoffentlich 2010 abschließen. Als ich vor so vielen Jahren (nein, ihr rechnet jetzt nicht nach ;-) ) das erste Mal die Beschreibung der Studieninhalte gelesen habe, war ich total geflasht, das wollte ich unbedingt machen. Es ging in der Beschreibung um die Analyse von gesellschaftlichen Ungleichheiten, Hierarchien, Machtstrukturen etc. Kurz: in meinen Ohren hörte sich das so an, dass es auch noch andere Menschen auf der Welt gab, die eine Ungerechtigkeit in der sie umgebenden Gesellschaft spürten und nicht nur das, nein, sie hatten auch das Privileg, sich wissenschaftlich damit auseinander zu setzen. Für mich schien das ein notwendiger Weg, um sich als Teil dieses Unrechtssystems zu positionieren und sich aus bestehender (rhetorischer) Ohnmacht zu befreien. Immerhin habe ich meine Jugend mit einer Horde Jungs verbracht (nichts für ungut TDZ, es war ne super Zeit, aber ihr könnt nicht bestreiten, dass ihr alle ziemliche „Jungs“ ward)

Nun, dieser Wunsch hat sich teils erfüllt. Was ich vorallem in der Zeit meines Studiums erlebt habe und was ich als am wertvollsten empfinde, ist, dass ich gewachsen bin und noch immer wachse. Das Genderstudium ist mit allen Facetten, Widersprüchen und Unzulänglichkeiten immer eine Herausforderung für Seele und Geist. Und umso stärker du durch deine Sozialisation in dieser weißen, heterosexuellen, männlich geprägten … Welt verwurzelt bist, desto mehr Erschütterungspotenzial hat das Studium. Es kommt allerdings auch immer darauf an, wieviel Erschütterung du einforderst und zulässt.

Ich gehe hier bewußt nicht auf Themen ein, die mich im Studium am meisten beschäftigt haben, erstens weil ihr im Blog schon eine Ahnung bekommen habt, wohin es bei mir geht ;-) und zweitens möchte ich nicht den Eindruck erwecken, ich wüßte, was „die“ Gender Studies sind. Ich weiß es nicht und es interessiert mich auch nicht. Mich interessieren die Leute, die ich durch mein Studium getroffen habe und die zu Eckpfeilern meines Lebens wurden. Die mich durch ihre Art zu leben, ihre Art, die Dinge zu sehen, immer wieder dazu herausfordern, über mich und die Welt, in der ich lebe, nachzudenken und nichts für selbstverständlich zu nehmen. Vielen Dank an dieser Stelle an diese Menschen, sie werden wissen, dass sie gemeint sind.

Nun, jetzt wisst ihr, warum ich Gender studiere, auch wenn es manchmal schwer ist und es mich nicht immer zu einem „mainstream“kompatiblen Menschen macht, aber diesen Preis zahle ich gern.

D.

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